DOSSIER PRESSE
 
Der sichere Kollaps
Source / 29 mars 2018
 
Überforderung, Ungerechtigkeiten, Perspektivlosigkeit: Ein eher düsteres Bild des aktuellen Soldatendaseins zeichnete Präsident Christian Schleck am Mittwoch in der Generalversammlung der Armeegewerkschaft SPAL.
 

© Nico Muller
 

Es liegt in der Natur einer Gewerkschaft, dass sie Dinge, die nicht zum Vorteil ihrer Mitglieder gereichen, offen und unverblümt anspricht. Bei der Armee scheint sehr vieles im Argen zu liegen, denn Christian Schleck, Präsident des „Syndicat professionnel de l'Armée“ (SPAL), hat in der Generalversammlung vom Mittwoch sehr lange gesprochen, 70 Minuten lang. Zum Beispiel über zu hohe Leistungsanforderungen an ein zu kleines Soldatenkontingent, über Ungerechtigkeiten, was Karrieren oder auch Prämien anbelangt, und über berufliche Perspektivlosigkeit trotz Rekonversion. Die Liste der Forderungen an die Adresse der Regierung, aber auch an den Generalstab, ist denn auch dementsprechend lang.

„Jeder Soldat ist gleich wichtig“

Hatte das SPAL noch nach dem Regierungswechsel 2013 große Hoffnungen in den neuen Minister für Sicherheit und Verteidigung, Etienne Schneider, und seine Staatssekretärin, Francine Closener, gesetzt und von einem Neuanfang mit einem neuen Stil in der Regierung gesprochen (Generalversammlung vom März 2014), so ist inzwischen Ernüchterung bei den SPAL-Verantwortlichen eingekehrt.

So habe diese Regierung zum Beispiel rein gar nichts gemacht, damit die Soldaten nach ihrer Zeit auf dem Herrenberg bessere Chancen haben, eine Arbeit zu finden. Im Gegenteil, jetzt rekrutierten unter anderem sogar auch die Zollverwaltung und das Gefängnis ihr Personal nicht mehr exklusiv bei der Armee.

 

© Nico Muller
 

In dem Zusammenhang verlangt man auch die Abschaffung der „Unité de disponibilité opérationnelle“ (UDO), die eine Zweiklassengesellschaft bei der Armee schaffe. Dass die Soldaten, die sich in Missionen engagierten, später eine „Superpriorität“ bei der Vergabe von Arbeitsplätzen genössen, sei die größte Ungerechtigkeit, die es jemals in der Armee gegeben habe, so Christian Schleck. Jeder Soldat sei gleich wichtig, und es sei nicht normal, dass dessen Karriereperspektiven schon bei der Grundausbildung festgelegt werden.

Trauerspiel Rekonversion 

Sein Fett weg bekam auch die Rekonversion, also die schulische Weiterbildung der Soldaten nach dem Militärdienst, um den Einstieg ins Berufsleben zu erleichtern. Es sei mittlerweile ein Trauerspiel, was den Schülern hier geboten werde.

So würden die Kurse, die auf ein Examen vorbereiten, von der Qualität her nicht angepasst: jedes Semester immer wieder dieselben Textanalysen und Grammatikübungen, keine individuelle Vorbereitung auf die jeweiligen Examen, keine Anpassung an das Niveau der einzelnen Schüler, übertrieben viele Schulstunden, die ausfallen, weil die Lehrer oft fehlten und kein Ersatz zur Verfügung stehe.

Mangelnder Personalbestand

Christan Schleck prangerte nicht zuletzt auch den nach wie vor mangelnden Personalbestand an. Angesichts der immer zahlreicher werdenden internationalen Aufgaben sei die Armee hoffnungslos unterbesetzt, und man riskiere früher oder später ihren sicheren Kollaps. Der SPAL-Präsident erinnerte in dem Zusammenhang daran, dass derzeit zum Beispiel 103 Soldaten bei der „Very high readiness Joint Task Force“ der NATO und deren 44 beim „European battle group“ im Einsatz sind.

Allerdings fand Christian Schleck auch belobigende Worte an die Adresse der Regierung. So sei beispielsweise die Modernisierung der Herrenberg-Kaserne auf einem guten Weg. Weitere realisierte Projekte wollte er aber nicht aufzählen. Die könne man ja auf dem Twitter-Account des Verteidigungsministers nachlesen.

 
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